Ein Domain-Umzug klingt nach Verwaltung und ist doch eines der wenigen Dinge, die eine Website und alle E-Mail-Adressen eines Unternehmens gleichzeitig lahmlegen können. Meist passiert das nicht durch einen Fehler beim Umzug selbst, sondern durch eine vergessene Kleinigkeit: einen E-Mail-Eintrag, der nicht mitgewandert ist, oder ein Zertifikat, das erst nach dem Umschalten erzeugt wird.
Domain, DNS und Hosting sind drei verschiedene Dinge
Bevor Sie planen, lohnt eine saubere Trennung, denn beim Umzug ist oft nur eines davon gemeint:
- Die Domain ist die Registrierung des Namens. Sie liegt bei einem Anbieter (Registrar), und dort wird sie verwaltet und bezahlt.
- Das DNS ist das Adressbuch, das festlegt, wohin die Domain zeigt: auf welchen Server die Website, auf welchen Server die E-Mails gehen.
- Das Hosting ist der Server, auf dem Website und Postfächer tatsächlich liegen.
Sie können das Hosting wechseln, ohne die Domain zu bewegen, und die Domain umziehen, ohne dass sich das Hosting ändert. Die meisten Ausfälle entstehen, wenn beides gleichzeitig passiert und niemand den Überblick über die DNS-Einträge hat.
Vorbereitung: Bestandsaufnahme vor dem ersten Klick
Der wichtigste Schritt passiert, bevor irgendetwas umgezogen wird. Exportieren Sie die kompletten DNS-Einträge der Domain beim bisherigen Anbieter und prüfen Sie jede Zeile:
- A- und AAAA-Einträge für Website und Subdomains (zum Beispiel www, ein Shop oder ein Kundenportal)
- MX-Einträge für den E-Mail-Empfang
- TXT-Einträge für SPF, DKIM und DMARC, die über die Zustellbarkeit Ihrer E-Mails entscheiden
- Einträge für externe Dienste, etwa Newsletter-Tools, Domain-Verifizierungen oder Support-Systeme
Fragen Sie außerdem, welche Dienste die Domain kennen: Zahlungsanbieter, Verzeichniseinträge, Absenderadressen von Software, die E-Mails im Namen Ihres Unternehmens verschickt. Was hier fehlt, fällt sonst erst Tage später auf.
Der Ablauf in fünf Schritten
1. TTL rechtzeitig senken
Jeder DNS-Eintrag hat eine Lebensdauer (TTL), die angibt, wie lange andere Systeme die Antwort zwischenspeichern dürfen. Senken Sie die TTL der wichtigen Einträge einige Tage vor dem Umzug deutlich ab. Dann wirkt eine spätere Änderung schnell, und ein Fehler lässt sich schnell zurücknehmen.
2. Neue Umgebung vollständig aufbauen und testen
Richten Sie Website und Postfächer am neuen Ziel komplett ein, bevor die Domain dorthin zeigt. Über einen temporären Eintrag in der lokalen hosts-Datei können Sie die Website unter dem echten Domainnamen aufrufen, obwohl das öffentliche DNS noch auf den alten Server zeigt. So testen Sie Seiten, Formulare und Weiterleitungen unter realen Bedingungen.
3. DNS am neuen Ziel vorbereiten
Legen Sie alle Einträge aus der Bestandsaufnahme beim neuen Anbieter an, bevor die Namensserver der Domain umgestellt werden. Wenn der neue Anbieter das DNS übernimmt, sind sonst für kurze Zeit Einträge weg, die Ihr Unternehmen braucht.
4. Domain übertragen und umschalten
Für die Übertragung der Domain benötigen Sie in der Regel einen Autorisierungscode (Auth-Code) des bisherigen Anbieters. Er gehört Ihnen als Domaininhaber, Sie müssen ihn nur anfordern. Bei .de-Domains läuft die Konnektierung über die zentrale Registrierungsstelle DENIC, andere Endungen haben eigene Regeln und Fristen. Legen Sie den Zeitpunkt auf einen ruhigen Tag mit Puffer, nicht auf den Abend vor einer Kampagne.
5. Nachkontrolle
Prüfen Sie nach dem Umschalten: Website mit gültigem Zertifikat unter allen Adressen (mit und ohne www), Weiterleitungen, Kontaktformulare, E-Mail-Empfang und -Versand. Schicken Sie Testmails an externe Adressen und achten Sie darauf, ob sie im Spam landen. Erst wenn alles sauber läuft, erhöhen Sie die TTL wieder.
Die häufigsten Stolpersteine
- Vergessene E-Mail-Einträge: Die Website läuft, aber Postfächer oder Absenderprüfung (SPF, DKIM) sind weg.
- Kündigung zu früh: Der alte Vertrag wird gekündigt, bevor die Übertragung abgeschlossen und geprüft ist. Kündigen Sie erst, wenn im neuen System alles bestätigt ist.
- Zertifikat fehlt: Das neue Zertifikat wird erst nach der Umstellung ausgestellt, und Besucher sehen Warnungen. Planen Sie die Ausstellung ein.
- Auth-Code oder Domain gesperrt: Manche Anbieter sperren Domains gegen Übertragung. Die Sperre lässt sich lösen, kostet aber Zeit, wenn man sie erst am Umzugstag entdeckt.
- Keine Zuständigkeit: Agentur, IT und Geschäftsführung gehen jeweils davon aus, dass es die anderen prüfen. Legen Sie eine verantwortliche Person fest.
Wie wir es machen
Wir ziehen Domains und Hosting für Kunden nach diesem Ablauf um, in der Regel als Teil eines größeren Relaunchs oder der Übernahme des laufenden Betriebs. Der Punkt, an dem sich Aufwand und Risiko entscheiden, ist die Bestandsaufnahme: Wer die DNS-Einträge vollständig kennt und die neue Umgebung vorab getestet hat, schaltet in wenigen Minuten um. Alles andere bleibt Nachkontrolle.
Nächster Schritt
Sie planen einen Umzug oder möchten wissen, wie Ihr Betrieb aufgestellt ist? Wir sehen uns Ihre Ausgangslage an und sagen Ihnen ehrlich, was zu tun ist.
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